Winternothilfe in Graz: Land Steiermark, Stadt Graz, VinziWerke und Caritas stellen vor
„Niemand soll in Graz und der Steiermark bei Kälte im Freien bleiben müssen“ – mit diesem gemeinsamen Ziel haben Soziallandesrätin Doris Kampus, Sozialstadtrat Kurt Hohensinner, Nora Tödtling-Musenbichler, Koordinatorin der VinziWerke und Caritasdirektor Herbert Beiglböck in der Winternotschlafstelle der Caritas am Mittwoch die Maßnahmen und Projekte der Winternothilfe vorgestellt.
Die Angebote reichen von Zusatzbetten und regionalen Notunterkünften über eine gemeinsame Datenbank bis hin zur Winternotschlafstelle, dem Kältetelefon für Graz und der neuen Unterbringung der Caritas für obdachlose Menschen mit Tieren.
Landesrätin Kampus betonte, Wohnungslosigkeit betreffe keine bestimmte Bevölkerungsschicht: „Es kann oft ganz schnell gehen und man findet sich in einer Situation, die man nie für möglich gehalten hätte.“ Das Land setze verstärkt auf präventive Maßnahmen wie Schuldnerberatung, Wohnungssicherung und regionale Angebote, um rasche Hilfe vor Ort zu ermöglichen: „Wir werden uns mit Obdachlosigkeit nicht abfinden“.
Engmaschiges soziales Netz
Sozialstadtrat Kurt Hohensinner verwies auf ein engmaschiges Netz der Nothilfe in Graz mit aktuell 429 Zusatzbetten im Winter und einer gemeinsamen Datenbank, die eine gute Steuerung ermögliche, „damit jeder, der es braucht, ein Bett für die Nacht bekommt“. Der Stadtrat sieht das Kältetelefon, das gemeinsam mit der Caritas eingerichtet wurde, auch als Möglichkeit für die GrazerInnen, Mitverantwortung zu übernehmen, indem jeder einzelne Notlagen wahrnehmen und dagegen aktiv werden könne.
Schulung in Aufmerksamkeit für alle
„Das Kältetelefon ist eine Schulung in Aufmerksamkeit für alle“, hielt auch Caritasdirektor Beiglböck fest. „Wir bitten die Menschen, gemeinsam mit uns gut hinzuschauen und auch versteckte Probleme wahrzunehmen.“ Beiglböck richtete an die Politik den Appell, „den starken Sozialstaat und seine Leistungen in der Armutsprävention in der politischen Debatte zu würdigen“. Der Caritasdirektor stellte als neues Angebot das Projekt „Arche 38 Mensch und Tier“ vor, wo künftig obdachlose Menschen auch mit Tieren untergebracht werden können.
Keine Zeit zu verlieren
„In der Nothilfe gilt es, keine Zeit zu verlieren“, betonte Nora Tödtling-Musenbichler. Die VinziWerke setzten daher auf niederschwellige, unbürokratische Angebote, denn „für die Menschen ist es schwer genug, Hilfe anzunehmen“. In einem zweiten Schritt seien Beratung und Begleitung nötig, um den Menschen einen Weg aus der akuten Notsituation zu ermöglichen. Sowohl Tödtling-Musenbichler und Beiglböck von den Sozialorganisationen als auch Kampus und Hohensinner von politischer Seite würdigten den Einsatz von vielen Freiwilligen, die in der Steiermark ehrenamtlich Hilfe leisteten und die professionellen Teams unterstützen.
Die Zusatzangebote der Caritas- Winternothilfe: Kältetelefon und Winternotschlafstelle sowie Arche 38 Mensch und Tier nehmen mit Freitag, 15. November, ihre Tätigkeit auf: www.caritas-steiermark.at/kaeltetelefon
VinziWerke
In den Notschlafstellen der VinziWerke in Graz finden täglich 235 Frauen, Männer und Kinder einen Schlafplatz und erhalten Essen und Betreuung durch unsere engagierten haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.
Unser Anliegen ist es, Menschen in Not niederschwellig, unbürokratisch und schnell zu unterstützen. Gerade JETZT in der kalten Jahreszeit sind wir als VinziWerke noch mehr gefordert, schnelle Hilfe anzubieten. „Deshalb stellen wir, so wie in den Jahren davor, zusätzlich Notbetten zur Verfügung, damit kein Mensch in der Kälte auf die Straße zurück geschickt werden muss. Denn beim Helfen zählt das JETZT!“, so Nora Tödtling-Musenbichler, Koordinatorin der VinziWerke. 23 Notbetten in den 8 Notschlafstellen und Dauerherbergen der VinziWerke bieten in der kalten Jahreszeit zusätzlich Schutz und Wärme. Alleine im Zeitraum November bis März konnten wir im vergangenen Winter insgesamt 38750 Gästen Herberge bieten.
Seit 2017 bieten wir mit unserem Wohnprojekt Solido der Notschlafstelle VinziTel ein zusätzliches Angebot an, damit wohnungslose Menschen nicht so schnell wieder ihre Wohnung verlieren und zurück auf die Straße kommen. Mit Solido betreuen wir Menschen, die aus unserer Notschlafstelle in eine Wohnung ziehen, eine individuelle Betreuung an, die helfen soll, die eigenen 4 Wände langfristig behalten zu können und somit eine stabile Wohn- und Lebenssituation zu ermöglichen. Derzeit werden insgesamt 14 BewohnerInnen im Rahmen dieses Projektes begleitet.
Angebote der VinziWerke
Die 8 Notschlafstellen und Dauerherbergen der VinziWerke in Graz bieten Menschen in unterschiedlichen Notsituationen einen Schlafplatz, Essen, medizinische Versorgung und menschliche Wärme:
- VinziTel: Notschlafstelle für Frauen, Männer du Paare: bietet Platz für 25 Gäste und zusätzlich 3 Notbetten
- Im Haus Rosalie, Notschlafstelle für Frauen und Kinder, finden 15 Frauen und auch Kinder Platz. Auch Tiere können, nach Absprache mitgenommen werden; auch im Haus Rosalie steht immer ein Notbett zur Verfügung
- VinziNest, Notschlafstelle für Männer mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft: Das VinziNest bietet Platz für 75 Gäste, zusätzlich stehen 10 Notbetten zur Verfügung
- VinziSchutz, Notschlafstelle für Frauen mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft bietet Platz für 25 Frauen, zusätzlich gibt es 5 Notbetten
- VinziHerz, Familiennotschlafstelle: Bietet Platz für 30 Frauen, Männer und Kinder, rund um die Uhr geöffnet
- VinziDorf und VinziMed bieten Platz für insgesamt 39 Bewohner
- VinziMünz, Wohnversorgung für bis zu 9 Menschen in schwierigen Lebenssituationen; im Winter stehen zusätzlich 4 Notbetten zur Verfügung
- VinziBus: täglich Essensausgabe für Menschen in Not; 20.00 Uhr Augarten, 20.30 Uhr Jakominiplatz, 21.00 Uhr Hauptbahnhof
Nachbetreuungsprojekt SOLIDO
Frauen und Männer, die aus der Notschlafstelle VinziTel in eine eigene Wohnung ziehen, können von den MitarbeiterInnen der Notschlafstelle weiterbegleitet werden, um einen erneuten Wohnungsverlust zu verhindern. Weiters wird an Themen, wie Finanzen, Gesundheit, Arbeit und sozialen Ressourcen gearbeitet. Die Nachbetreuung basiert auf Freiwilligkeit und Partizipation – Ziele und Intensität der Begleitung werden gemeinsam festgelegt. Gestartet als Pilotprojekt im Oktober 2017 begleitete SOLIDO seitdem 14 Frauen und Männer.
Notschlafstellen der Caritas
Ein Dach über dem Kopf: Die Notschlafstellen der Caritas in Graz und Leoben fangen jene auf, die nicht wissen, wo sie die Nacht verbringen sollen. Das sind genauso Familien wie einzelne Frauen und Männer, Jugendliche und alte Menschen.
- Die Arche 38 bietet 30 Notbetten sowie 14 Plätze in einer betreuten Wohngemeinschaft; in diesem Jahr gab es bis Ende September 10.201 Nächtigungen.
- In der FranzisCa Notschlafstelle finden bis zu 14 Frauen und sechs Kinder Platz; in diesem Jahr bis Ende September 6267 Nächtigungen
- Die Winter-Notschlafstelle bietet während der kalten Monate zusätzliche Schlafmöglichkeiten für etwa 50 Menschen – Männer, Frauen und ihre Kinder. Am Standort in Graz-St. Lukas wurden zwischen 1. Jänner und April 2.397 Nächtigungen gezählt, in der gesamten Saison (November –April) wurden 202 Menschen versorgt, insgesamt waren es 3.109 Nächtigungen. Es wird stets versucht, eine Weiterversorgung zu organisieren.
- Das Schlupfhaus mit 15 Plätzen für wohnungslose Burschen und Mädchen zwischen 14 und 21 Jahren war im laufenden Jahr Anlaufstelle für 239 verschiedene Jugendliche. 1.013 mal konnten Mädchen und Burschen übernachten, in 3.236 Fällen ging es darum, einfach reden zu können, zu duschen, zu essen oder die Wäsche zu waschen.
- Arche 38 Mensch und Tier: Dies ist ein neues Angebot für obdachlose Menschen, die ohne ihr Tier nicht in eine Notschlafstelle gehen möchten. Im Hof der Notschlafstelle Arche 38 (Eggenberger Gürtel 38) werden wir zwei Container in einer Garage einrichten. In jedem Container wird es zwei Betten und einen entsprechenden Schlafplatz und Versorgung für die begleitenden Tiere geben (Korb, Decke, …). Die Unterbringung ist damit räumlich getrennt von der regulären Notschlafstelle. In einem ersten Schritt gibt es mit Start der Winternothilfe am 15. November eine Übergangslösung in einem kleinen, von außen begehbaren Raum in den Räumlichkeiten der Notschlafstelle Arche 38.
Das Caritas-Kältetelefon: 0676 880 15 111
Das Caritas-Kältetelefon für Graz hilft auch in diesem Winter wieder dabei, obdachlosen Menschen einen Schlafplatz anzubieten. Wenn die Temperaturen sinken, kann es lebensbedrohlich werden: Wer kein Dach über dem Kopf hat, lebt im Winter besonders gefährlich.
Daher hat die Caritas mit der Stadt Graz das Kältetelefon eingerichtet, das von 15. November bis Ende März aktiv ist. Wer in Graz den Schlafplatz eines obdachlosen Menschen bemerkt und rasch und unkompliziert helfen möchte, kann unter der Nummer 0676 880 15 111 täglich von 18 bis 23 Uhr das Caritas-Kältetelefon für Graz erreichen.
Das ehrenamtliche Team des Kältetelefons nimmt dann Kontakt zu dem/der Obdachlosen auf und bringt ihn/sie in einer Notschlafstelle unter. Personen, die eine Unterbringung gemeinsam mit anderen Menschen ablehnen, erhalten ein Not-Paket bestehend aus einem warmen Schlafsack, einer Decke, einer Jacke und einer Thermoskanne mit warmem Tee.
160 Anrufe im vergangenen Winter
Im vergangenen Winter sind 160 Anrufe am Kältetelefon eingegangen, die Teams sind mehr als 80 Mal ausgefahren, um Hilfe anzubieten. Mehr als 20 Menschen konnten sie in eine Notschlafstelle bringen und Versorgungspakete übergeben.
Ablauf und Rahmenbedingungen
Das Team des Kältetelefons startet den Dienst jeweils um 18.00 Uhr in den CaritasNotschlafstellen Arche 38, Eggenberger Gürtel 38, 8020 Graz und Winternotschlafstelle Eggenberger Gürtel 76, 8020 Graz. Jedes Team besteht aus drei Personen: Einsatzleitung, Fahrer/in, Helfer/in. Das Team unterstützt die hauptamtlichen Nachtdienste der Notschlafstellen bei der Aufnahme und bei der Versorgung der Nächtigungsgäste. Das Team bedient das Kältetelefon und nimmt Anrufe und Emails entgegen. Anhand der eingegangenen Meldungen werden die Ausfahrten geplant und durchgeführt, damit Menschen, die im Freien und im öffentlichen Raum nächtigen, Hilfe bekommen. Die Freiwilligen werden von einem professionellen Team aus hauptamtlichen MitarbeiterInnen begleitet, erhalten Schulungen und bekommen einen fachlichen Einblick in die Wohnungslosenhilfe.